Atemwegsmanagement: Leitfaden für die Notfallmedizin

Atemwegsmanagement ist eine der Kernkompetenzen in der Notfallmedizin. Ohne offene und gesicherte Atemwege ist weder eine effektive Ventilation noch ein adäquater Gasaustausch gewährleistet. Um die pulmonale Oxygenierung sicherzustellen und die Inzidenz Hypoxie-assoziierter Komplikationen, erhöhter Mortalität sowie potenzieller Sekundärschäden zu reduzieren, kommen evidenzbasierte Verfahren zum Einsatz, die sich an aktuellen Leitlinien orientieren.
In diesem Leitfaden werden die Definition, die maßgeblichen Leitlinien sowie die zentralen Maßnahmen zur Atemwegssicherung dargestellt – mit besonderem Fokus auf den präklinischen Einsatz im Rettungsdienst.
Atemwegsmanagement: Das Wichtigste in Kürze
- Atemwegsmanagement umfasst alle Maßnahmen zur Sicherstellung freier Atemwege und einer suffizienten Ventilation – von Lagerungstechniken über Beutel-Maskenbeatmung bis hin zur endotrachealen Intubation.
- Die aktuelle S1-Leitlinie der DGAI (2023) empfiehlt bei aspirationsgefährdeten und kritisch kranken Patientinnen und Patienten primär die Videolaryngoskopie.
- Die kontinuierliche Kapnographie ist nach jeder Atemwegssicherung verbindlich – sowohl gemäß S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement als auch nach den ERC-Leitlinien 2021.
- Die Verfahren reichen von nicht-invasiven Methoden (manuelle Handgriffe, Maskenbeatmung, NIV) bis hin zur invasiven Atemwegssicherung (Trachealtubus, supraglottische Devices) und werden je nach klinischer Situation und Erfahrung gewählt.
- Der Trachealtubus gilt als Goldstandard der invasiven Atemwegssicherung.
Was ist Atemwegsmanagement?
Das Atemwegsmanagement (Englisch: Airway Management) umfasst sämtliche Maßnahmen, die darauf abzielen, die Durchgängigkeit der Atemwege sicherzustellen und eine suffiziente Spontanatmung oder externe Beatmung zu gewährleisten.
Primäres Ziel ist die Aufrechterhaltung der Ventilation und eine optimale Sauerstoffversorgung, insbesondere dann, wenn die Spontanatmung gestört ist. Das ist häufig bei Notfällen, schweren Verletzungen oder perioperativen Phasen der Fall.
Indikationen zur Atemwegssicherung
Das Atemwegsmanagement spielt eine zentrale Rolle in der Notfallmedizin, im Rettungsdienst, in der Intensivmedizin und in der Anästhesie, da es die Grundlage für eine suffiziente Oxygenierung und Ventilation bildet.
Im präklinischen Kontext ist ein effektives Atemwegsmanagement bei der Reanimation, Notfallnarkose oder schweren Traumata oft entscheidend für das Überleben von Patientinnen und Patienten.
Zu den wichtigsten Indikationen gehören:
Respiratorische Insuffizienz
Bei der respiratorischen Insuffizienz ist die Lunge nicht in der Lage, eine adäquate Sauerstoffversorgung des Körpers (Hypoxämie) sicherzustellen oder überschüssiges Kohlendioxid effektiv abzuführen (Hyperkapnie).
Aspirationsgefahr und Risiko einer Atemwegsverlegung
Bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko für Aspiration, beispielsweise durch Nahrungsmittel, Flüssigkeiten oder Erbrochenes, besteht eine akute Gefahr der Atemwegsobstruktion. Das Atemwegsmanagement verhindert eine Blockade der Luftwege durch Fremdkörper oder aspirierte Materialien und minimiert das Risiko schwerwiegender pulmonaler Komplikationen wie einer Aspirationspneumonie.
Traumatische Verletzung des Kopfes und der oberen Atemwege
Traumata im Kopf-Hals-Bereich, etwa Frakturen des Gesichtsschädels oder Schwellungen der oberen Atemwege, können die Atmung erheblich beeinträchtigen.
Standards & Leitlinien für das Atemwegsmanagement
Das Atemwegsmanagement wird durch evidenz- und konsensbasierte Leitlinien strukturiert, die sowohl die innerklinische Versorgung als auch den präklinischen Einsatz adressieren. Sie definieren einheitliche Standards für die präanästhesiologische Evaluation, die Verfahrenswahl, die Lagekontrolle und das Vorgehen bei einem schwierigen Atemweg und bilden damit die Grundlage für eine sichere, standardisierte und nachvollziehbare Atemwegssicherung.
Für die Notfallmedizin im deutschsprachigen Raum ist insbesondere die S1-Leitlinie maßgeblich.
S1-Leitlinie Atemwegsmanagement 2023
Die im August 2023 veröffentlichte Aktualisierung der S1-Leitlinie Atemwegsmanagement (AWMF-Registernummer 001-028) wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) erstellt. Sie dient als Entscheidungshilfe für medizinisches Fachpersonal in Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin und umfasst über 100 nummerierte Empfehlungen entlang des gesamten Atemwegsmanagements.
Prähospitales Atemwegsmanagement: Besonderheiten im Rettungsdienst
Für die präklinische Anwendung existiert mit der S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement (AWMF 001-040) eine eigene, ergänzende Leitlinie der DGAI. Die präklinische Atemwegssicherung unterscheidet sich schließlich in mehrfacher Hinsicht von der innerklinischen: Sie erfolgt unter Zeitdruck, häufig bei eingeschränkten Lichtverhältnissen, in beengten Räumen und unter unvorhersehbaren Umgebungsbedingungen wie Witterung, Lärm oder ungünstigen Lagerungsmöglichkeiten.
Die zuletzt 2019 grundlegend überarbeitete S1-Leitlinie der DGAI formuliert zehn zentrale Soll-Empfehlungen und enthält einen strukturierten Algorithmus zur Atemwegssicherung im Rettungsdienst.
Zu den maßgeblichen Empfehlungen zählen:
- Die endotracheale Intubation gilt weiterhin als Goldstandard der invasiven Atemwegssicherung, allerdings nur bei Anwenderinnen und Anwendern mit nachgewiesener Erfahrung (mindestens 100 dokumentierte Intubationen plus jährliche Auffrischung von mindestens zehn Intubationen).
- Bei geringer Intubationserfahrung wird primär eine extraglottische Atemwegssicherung empfohlen.
- Die Beutel-Maskenbeatmung soll mit Doppel-C-Griff, optimaler Kopflagerung, ggf. Guedel-Tubus und hoher inspiratorischer Sauerstofffraktion (FiO₂) durchgeführt werden.
- Nach jeder Atemwegssicherungsmaßnahme ist die kontinuierliche Kapnographie verpflichtend.
Methoden des Atemwegsmanagements
Im Atemwegsmanagement kommen verschiedene Maßnahmen zur Atemwegssicherung und zur Aufrechterhaltung einer ungehinderten Atmung zum Einsatz. Diese reichen von grundlegenden manuellen Techniken bis hin zu invasiven Verfahren und werden je nach klinischer Situation und Dringlichkeit ausgewählt.
Nicht-invasive Methoden
Bei nicht-invasiven Methoden erfolgen keine direkten Eingriffe in die Atemwege.
Manuelle Handgriffe
Zu den häufig genutzten Techniken zählt der Kreuzgriff, bei dem mit Daumen und Zeige- oder Mittelfinger der Mundraum geöffnet wird, um die Atemwege freizuräumen.
Die Kopfüberstreckung (HTCL-Manöver, engl. „head tilt and chin lift“) wird bei Bewusstlosen ohne Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung angewendet. Dabei wird der Kopf der Person nach hinten geneigt, um den Luftweg zu öffnen.
Eine weitere Technik ist das Esmarch-Manöver, bei dem der Kopf durch gezielte Handgriffe stabilisiert wird – eine besonders wertvolle Maßnahme in Notfallsituationen, die schnelles Handeln erfordern.
Stabile Seitenlage
Die stabile Seitenlage findet als Lagerungstechnik Anwendung, wenn eine künstliche Beatmung nicht möglich oder erforderlich ist. Sie verhindert die Aspiration von Erbrochenem oder Flüssigkeiten und sorgt für eine temporäre Durchgängigkeit der Atemwege.
Atemwegsabsaugung
Bei Behinderung der Atemwege durch Sekrete, Blut oder Fremdkörper ist eine Atemwegsabsaugung erforderlich. Im Rettungsdienst werden hierfür tragbare, akkubetriebene Absauggeräte verwendet, die auch unter prekären Bedingungen eine schnelle und effektive Sekretentfernung ermöglichen.
Maskenbeatmung
Ein klassisches Beispiel ist die manuelle Maskenbeatmung (Bag-Valve-Mask, BVM), bei der ein Beatmungsbeutel mit Beatmungsmaske verwendet wird, um durch Kompression des Beutels Sauerstoff in die Lunge zu insufflieren. Diese Technik eignet sich besonders bei ungesicherten Atemwegen oder wenn ein invasiver Eingriff vermieden werden soll. Sie wird vor allem dann eingesetzt, wenn der Atemweg nicht dauerhaft gesichert werden muss.
Eine Studie zeigte jedoch, dass Patientinnen und Patienten, die mit BVM behandelt wurden, eine geringere ROSC-Rate und Überlebensrate im Vergleich zu denen mit Trachealtubus und supraglottischer Atemwegssicherung aufwiesen. Zudem zeigt die Beutel-Maskenbeatmung bei längeren Transportzeiten oder schwerwiegenden Atemwegserkrankungen Einschränkungen in ihrer Effektivität: Sie erzielte bei längeren Transporten weniger erfolgreiche Ergebnisse in Bezug auf Oxygenierung und Ventilation als eine endotracheale Intubation (ETI).
Nicht-invasive Beatmungsgeräte
Neben der manuellen Maskenbeatmung kommen auch nicht-invasive Beatmungsgeräte zum Einsatz, die ohne invasive Eingriffe die Atmung unterstützen. Die nicht-invasive Beatmung (NIV) hat sich in zahlreichen klinischen Szenarien als effektive und schonende Alternative zur invasiven Atemwegssicherung etabliert.
Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz kann die NIV die Notwendigkeit einer endotrachealen Intubation reduzieren und somit das Risiko intubationsbedingter Komplikationen verringern. Zudem zeigt die NIV bei bestimmten Patientengruppen eine Verbesserung der Überlebensrate und eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer auf Intensivstationen.
Invasive Atemwegssicherung
Bei der invasiven Atemwegssicherung werden Atemwegshilfsmittel eingesetzt, um den Atemweg direkt zu sichern. Die invasive Beatmung ist essenziell bei schwerem Atemstillstand oder unzureichender manueller Beatmung.
Trachealtubus
Der Trachealtubus gilt als Goldstandard der invasiven Atemwegssicherung. Dabei wird ein Tubus direkt über Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt. Am distalen Ende befindet sich ein Cuff, der vor Aspiration schützt.

Studien belegen, dass der Trachealtubus im Vergleich zu anderen Methoden bessere Ergebnisse bei der Sauerstoffversorgung und Beatmung erzielt, insbesondere bei längeren Transportzeiten. Er ist zudem mit höheren ROSC-Raten und einer besseren Überlebensrate unter Reanimation assoziiert.
Die Intubation birgt jedoch auch Risiken: Die Erfolgsraten in Studien variieren stark (51–98 %), weshalb Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Eine Vergleichsstudie zeigte keinen signifikanten Unterschied im neurologisch günstigen Überleben zwischen endotrachealer Intubation und alleiniger Beutel-Maskenbeatmung.
Videolaryngoskopie
Die Videolaryngoskopie hat sich in den vergangenen Jahren von einer Reservetechnik zum empfohlenen Verfahren in den aktuellen Leitlinien entwickelt. Dabei wird ein Laryngoskop-Spatel mit integrierter Kamera verwendet, deren Bild auf einem externen Display dargestellt wird. So gelingt eine klare Sicht auf die Glottis auch ohne direkte Achsen-Ausrichtung von Mund, Pharynx und Larynx.
Die Evidenz zur Überlegenheit der Videolaryngoskopie ist konsistent: Der aktualisierte Cochrane Review von Hansel et al. (2022) zeigte, dass Videolaryngoskope die Rate fehlgeschlagener Intubationen senken, die Sicht auf die Glottis verbessern und das Risiko laryngealer Verletzungen reduzieren, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit schwierigem Atemweg.
Die DEVICE-Studie wies einen signifikant höheren Erstintubationserfolg unter Videolaryngoskopie gegenüber direkter Laryngoskopie auf: 85,1 % vs. 70,8 %.
Supraglottische und extraglottische Atemwegssicherung
Wenn die endotracheale Intubation schwierig oder zeitlich nicht umsetzbar ist, können supraglottische bzw. extraglottische Atemwegshilfen eine sinnvolle Alternative sein. Diese Devices werden oberhalb der Luftröhre platziert, um den Atemweg offenzuhalten. Sie sind schneller zu platzieren und erfordern weniger Erfahrung als ein Trachealtubus, allerdings bieten sie keinen zuverlässigen Schutz gegen Magenüberblähung und Aspiration, vor allem im Rahmen der Notfallbeatmung. In der S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement werden sie daher nur bei begrenzter Intubationserfahrung als primäre Option empfohlen.
Zu den gängigen Devices der supraglottischen bzw. extraglottischen Atemwegssicherung gehören:
Larynxtubus
Der Larynxtubus verfügt über zwei Manschetten (Cuffs). Eine große Manschette (proximaler Cuff) dichtet den Nasen-Rachen-Raum ab, während eine kleinere Manschette (distaler Cuff) den Eingang der Speiseröhre verschließt.

Standard-Larynxmaske (LMA)
Die Larynxmaske, auch Kehlkopfmaske genannt, besteht aus einer Maske mit aufblasbarem, ovalem oder tropfenförmigem Aufsatz am distalen Ende und einem Ventil zur Cuff-Regulation. Sie wird vor den Kehlkopf platziert.

i-gel Larynxmaske
Diese Weiterentwicklung der Larynxmaske besitzt eine nicht aufblasbare Abdichtung, die sich aufgrund ihrer gelartigen Beschaffenheit über den Kehlkopf legt und Kompressions- bzw. Verlagerungstraumata minimiert.

Larynxtubus, Larynxmaske und i-gel bieten sich als alternative Notfallatemwege an. Eine Studie zeigte, dass die supraglottische Atemwegssicherung gegenüber der reinen Beutel-Masken-Beatmung bei Patientinnen und Patienten unter Reanimation eine höhere ROSC-Rate erzielt.
Im Vergleich zur endotrachealen Intubation weist sie jedoch geringere positive Auswirkungen auf das langfristige Überleben und ein neurologisch ungünstigeres Outcome auf. Zudem ist die Beatmung mit supraglottischen Devices nicht in allen Notfallsituationen optimal, was die Luftzufuhr in komplexen Lagen beeinträchtigen kann.
Hybride Strategie
Wenn eine direkte Intubation zunächst nicht möglich ist, dient die supraglottische Atemwegssicherung (z. B. Larynxmaske, Larynxtubus) als temporäre Maßnahme, um Zeit zu gewinnen und die Voraussetzungen für eine Intubation zu schaffen. Sobald die Situation stabilisiert ist, erfolgt die Umintubation zum Trachealtubus, um eine langfristige Sicherung des Atemwegs und eine optimale Beatmung zu gewährleisten.
Koniotomie/Tracheotomie
Bei Versagen herkömmlicher Maßnahmen sind die Koniotomie als Notfalleingriff bzw. die Tracheotomie als chirurgischer Eingriff lebensrettende Maßnahmen. Diese schaffen einen direkten Zugang zur Trachea, sind jedoch risikoreich und erfordern hochqualifiziertes Personal.
Besonders die Koniotomie gilt als Ultima-Ratio-Maßnahme bei der „Cannot Intubate, Cannot Oxygenate“ (CICO)-Situation, wenn weder Maskenbeatmung, supraglottische Atemwegssicherung noch endotracheale Intubation eine suffiziente Oxygenierung sicherstellen können.
Maßnahmen nach der Atemwegssicherung
Nach jeder Atemwegssicherungsmaßnahme sind die Verifikation der korrekten Lage des Atemwegshilfsmittels und die kontinuierliche Überwachung der Ventilation obligatorisch. Die Kapnographie ist sowohl in der S1-Leitlinie Atemwegsmanagement 2023 als auch in der S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement sowie in den ERC-Leitlinien 2021 verbindlich vorgeschrieben.
Management des schwierigen Atemwegs
Ein schwieriger Atemweg liegt vor, wenn bei der Atemwegssicherung Komplikationen auftreten, die die Anwendung standardisierter Techniken wie Maskenbeatmung oder endotracheale Intubation erheblich erschweren oder unmöglich machen.
Dabei wird zwischen dem erwartet schwierigen Atemweg, bei dem bereits vor der Atemwegssicherung Prädiktoren für eine erschwerte Intubation oder Maskenbeatmung erkennbar sind, und dem unerwartet schwierigen Atemweg unterschieden, der sich erst im Verlauf der Atemwegssicherung manifestiert.
Beide Konstellationen können durch anatomische Anomalien (z. B. Makroglossie, Retrognathie), pathologische Veränderungen (z. B. Tumoren, Ödeme, Traumata) oder funktionelle Einschränkungen (z. B. reduzierte Mundöffnung, eingeschränkte Halswirbelsäulenbeweglichkeit) bedingt sein.
Prädiktoren und Klassifikation einer schwierigen Intubation
Ein schwieriger Atemweg sollte – soweit möglich – frühzeitig erkannt und klassifiziert werden, um die geeignete Strategie zur Atemwegssicherung wählen zu können. Hierfür stehen klinisch etablierte Scoring-Systeme zur Verfügung:
Mallampati-Score (Mallampati et al. 1985)
Beurteilt wird präoperativ die Sichtbarkeit von weichem Gaumen, Uvula und Gaumenbögen bei geöffnetem Mund. In seiner heute üblichen, vierstufigen modifizierten Form wird abgeschätzt, wie schwer die direkte Laryngoskopie voraussichtlich werden wird.
Cormack-Lehane-Klassifikation (Cormack & Lehane 1984)
Bewertet die laryngoskopische Sicht auf die Glottis während der direkten Laryngoskopie in vier Graden – von vollständiger Glottis-Sicht (Grad I) bis hin zu fehlender Sicht auf Glottis und Epiglottis (Grad IV). Anders als der Mallampati-Score erfolgt die Beurteilung erst intraoperativ während der Laryngoskopie selbst.
Für beide Klassifikationen gilt: Je höher der Wert, desto größer das Risiko eines schwierigen Atemwegs.
Management des erwartet schwierigen Atemwegs
Ein erwartet schwieriger Atemweg liegt vor, wenn präanästhesiologisch Prädiktoren für eine erschwerte Maskenbeatmung, Laryngoskopie oder Intubation identifiziert werden. Die S1-Leitlinie Atemwegsmanagement 2023 verfolgt für diese Konstellation den Grundsatz, dass die Atemwegssicherung proaktiv geplant und nach Möglichkeit unter Erhalt der Spontanatmung erfolgen soll.
Die Leitlinie definiert eine klare Hierarchie der Verfahren:
- Regionalanästhesie: Bei erwartet schwierigem Atemweg ist primär ein regionalanästhesiologisches Verfahren zu erwägen. Ein Backup-Konzept zur Atemwegssicherung soll im Team kommuniziert und materiell vorbereitet sein.
- Atemwegssicherung unter Erhalt der Spontanatmung: Ist eine Allgemeinanästhesie unverzichtbar und liegen Prädiktoren für eine schwierige Intubation vor, soll die Atemwegssicherung unter erhaltener Spontanatmung erfolgen. Den höchsten Stellenwert hierfür besitzt das flexible Intubationsendoskop.
Management des unerwartet schwierigen Atemwegs
Der unerwartet schwierige Atemweg manifestiert sich erst während der Atemwegssicherung.
Algorithmus: Plan A bis Plan D
Die Difficult Airway Society (DAS) stellt mit ihren Guidelines 2015 einen weltweit etablierten, vereinfachten Algorithmus für unerwartet schwierige Intubationen zur Verfügung, der eine sequenzielle Vorgehensweise vorgibt:
- Plan A: Endotracheale Intubation (ETI)
- Plan B: Beatmung mit supraglottischem Atemwegshilfsmittel
- Plan C: Beatmung mit Gesichtsmaske
- Plan D: Notfallmäßige Atemwegssicherung vorne am Hals
Versagen Plan A bis Plan C, liegt die „Cannot Intubate, Cannot Oxygenate“ (CICO)-Situation vor. In dieser Situation ist die Notfall-Koniotomie als Plan D die letzte verfügbare Rettungsmaßnahme.
Rolle der Videolaryngoskopie beim schwierigen Atemweg
Die Videolaryngoskopie ist ein zentrales Hilfsmittel beim unerwartet schwierigen Atemweg. Besteht ein unerwartet schwieriger Atemweg, wird nach erfolgloser direkter Laryngoskopie die Verwendung eines Videolaryngoskops empfohlen. Der Cochrane Review 2022 belegt eine signifikante Reduktion fehlgeschlagener Intubationen. Daher fordert die S1-Leitlinie 2023, dass ein Videolaryngoskop an jedem Arbeitsplatz mit Atemwegssicherungsbedarf verfügbar sein soll – einschließlich des Rettungsdienstes.
Atemwegssicherung mit WEINMANN
Für die Atemwegssicherung im Rettungsdienst bietet WEINMANN ein aufeinander abgestimmtes Portfolio – vom Freimachen der Atemwege über die Visualisierung der Glottis bis hin zur invasiven und nicht-invasiven Beatmung mit integrierter Kapnographie.
ACCUVAC Pro – Atemwegsabsaugung
Das tragbare Absauggerät ACCUVAC Pro ermöglicht eine schnelle und effektive Entfernung von Sekreten, Blut oder Fremdkörpern bei Erwachsenen und Kindern. Vier individuell einstellbare Saugstufen und die intuitive Bedienung machen das Gerät sowohl in Rettungsfahrzeugen als auch in prekären Umgebungen einsetzbar.
MEDUVISION – Videolaryngoskop für die präklinische Intubation
Das Videolaryngoskop MEDUVISION wurde gezielt für die Anforderungen des Rettungsdienstes entwickelt und unterstützt die Umsetzung der aktuellen Leitlinien-Empfehlung zur primären Videolaryngoskopie bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten.
Zentrale Eigenschaften:
- Optimale Sicht bei jedem Licht: Das transflektive allBRIGHT-Display bleibt selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar – ein klarer Vorteil im Freien und in hell beleuchteten Einsatzräumen.
- Sichere Kontrolle der Tubuslage: Das 3,2"-Display im Hochformat lässt sich im Winkel flexibel einstellen und ermöglicht so reflexionsarmes Intubieren mit umfassendem Sichtfeld.
- Robust für den Einsatz: Das Display ist staubdicht und gegen starkes Strahlwasser geschützt (IP66), der Tragegriff übersteht sogar dauerhaftes Untertauchen (IP68). Das Gerät erfüllt die Norm DIN EN 60601-1-12 für die medizinische Notfallversorgung.
- Lange einsatzbereit: Der Hochleistungsakku liefert bis zu vier Stunden Betriebsdauer und entlädt sich kaum von selbst – damit ist das Gerät auch bei seltener Nutzung jederzeit startklar.
- Einfache und sichere Aufbereitung: Display und Tragegriff lassen sich leicht voneinander trennen, was die Aufbereitung erleichtert. Die Einwegspatel (Mac 2, Mac 3, Mac 4, HyMac 3) sind direkt austauschbar.
- Nachhaltig konzipiert: Wiederaufladbarer Lithium-Akku und Einwegspatel aus Upcycling-Material reduzieren den Ressourcenverbrauch.
Damit adressiert MEDUVISION die spezifischen Anforderungen der präklinischen Atemwegssicherung: klare Sicht auf die Glottis unter erschwerten Bedingungen, schnelle Einsatzbereitschaft und zuverlässige Funktion auch nach längeren Lagerzeiten.
MEDUMAT Standard² – Beatmung mit integrierter Kapnographie
Das Beatmungsgerät MEDUMAT Standard² bietet vielseitige Lösungen für die invasive und nicht-invasive Beatmung. Der integrierte RSI-Modus (Rapid Sequence Induction) unterstützt die kontrollierte Beatmung bei medikamentöser Narkoseeinleitung. Die manuelle Beatmung mittels MEDUtrigger ermöglicht die Kombination mit unterschiedlichen Airway Devices. Die optionale integrierte Kapnographie erlaubt die unmittelbare, kontinuierliche Lagekontrolle des Tubus gemäß Leitlinienempfehlung.
MEDUVENT Standard – Beatmung ohne externe Druckgasversorgung
In Extremsituationen ermöglicht das turbinengetriebene Beatmungsgerät MEDUVENT Standard bis zu 7,5 Stunden autarke Beatmung ohne externe Druckgasversorgung und eignet sich damit für Einsätze in abgelegenen Gebieten oder unter logistisch anspruchsvollen Bedingungen. Der manuelle Modus mittels MEDUtrigger unterstützt den Einsatz verschiedener Airway Devices.

Kundenservice
- Telefon:+49 40 88 18 96 - 0
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Häufige Fragen zum Atemwegsmanagement
Atemwegsmanagement ist der Oberbegriff für sämtliche Maßnahmen zur Beurteilung, zum Offenhalten und zur Sicherung der Atemwege sowie zur Aufrechterhaltung einer suffizienten Ventilation und Oxygenierung – einschließlich Lagerung, Absaugung, Maskenbeatmung, apparativer Sicherung und postinterventioneller Lagekontrolle.
Atemwegssicherung bezeichnet demgegenüber den engeren Teilschritt, in dem der Atemweg mit einem Hilfsmittel (z. B. Trachealtubus, Larynxtubus, Larynxmaske) gegen Verlegung und Aspiration geschützt wird.
Der erste Schritt ist die Inspektion und Beurteilung der Atemwege sowie die Bestimmung der Dringlichkeit einer Atemwegssicherung.
Im Rettungsdienst erfolgt die Atemwegssicherung unter Zeitdruck, bei eingeschränkten Lichtverhältnissen, in beengten Räumen und unter unvorhersehbaren Umgebungsbedingungen. Die S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement (AWMF 001-040) berücksichtigt diese Besonderheiten.
1 https://register.awmf.org/assets/guidelines/001-028l_S1_Atemwegsmanagement_2023-09.pdf
2 Tang et al., Outcome of Cardiopulmonary Resuscitation with Different Ventilation Modes in Adults: A Meta-Analysis (2022).
3 Song et al., Association Between Prehospital Airway Type and Oxygenation and Ventilation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest (2023).
4 Song et al., Association Between Prehospital Airway Type and Oxygenation and Ventilation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest (2023).
5 Tang et al., Outcome of Cardiopulmonary Resuscitation with Different Ventilation Modes in Adults: A Meta-Analysis (2022).
6 Wang, Wei, Xiaojing Zhang, Minqiang Liu, and Xue Han. "Comparing Effectiveness of Initial Airway Interventions for Out-of-Hospital Cardiac Arrest: A Systematic Review and Network Meta-analysis of Clinical Controlled Trials.”
7 Jung, Eunjung, Hyeon-Ju Kim, Hyeong-Joon Lee, et al. "Association of Prehospital Airway Management Technique with Survival Outcomes of Out-of-Hospital Cardiac Arrest Patients.”
8 Wang, Wei, Xiaojing Zhang, Minqiang Liu, and Xue Han. "Comparing Effectiveness of Initial Airway Interventions for Out-of-Hospital Cardiac Arrest: A Systematic Review and Network Meta-analysis of Clinical Controlled Trials.”
9 Jung, Eunjung, Hyeon-Ju Kim, Hyeong-Joon Lee, et al. "Association of Prehospital Airway Management Technique with Survival Outcomes of Out-of-Hospital Cardiac Arrest Patients.”
10 Song et al., Association Between Prehospital Airway Type and Oxygenation and Ventilation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest (2023).