Notfallnarkose

Notfallnarkose

Prähospitale Notfallnarkose beim Erwachsenen

Im Rettungsdienst sind die sofortige Atemwegssicherung, Narkoseeinleitung und -aufrechterhaltung sowie die suffiziente Beatmung essenzielle therapeutische Maßnahmen im Rahmen von prähospitalen Notfalleinsätzen.1 Die Notfallnarkose tritt im Rettungsdienst zwar mit 3–5 % der Einsätze selten auf, dennoch ist sie risikobehaftet.2

Notärztinnen und Notärzte, die prähospital tätig sind, sollten daher über die Fähigkeit verfügen, eine Notfallnarkose sicher durchzuführen. Die dafür erforderlichen praktischen Fertigkeiten müssen in einer klinischen Umgebung erlernt und regelmäßig geübt werden. 

Die Herausforderungen einer präklinischen Notfallnarkose definieren sich über die Vielzahl von Verletzungsmustern, Indikationen und Patientengruppen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass außerhalb des klinischen Umfelds nicht auf die klassischen Ressourcen eines Anästhesie-Settings zurückgegriffen werden kann.

Im Jahr 2015 veröffentlichte die Arbeitsgruppe “Prähospitale Notfallnarkose" des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) die S1-Leitlinie “Handlungsempfehlung zur präklinischen Notfallnarkose beim Erwachsenen".3

In diesem Artikel erhalten Sie einen umfassenden Überblick über die Empfehlungen dieser Leitlinie. WEINMANN unterstützt die Umsetzung der Leitlinie mit den Beatmungsgeräten MEDUMAT Standard² und MEDUVENT Standard.

Indikationen für die prähospitale Notfallnarkose

Die Entscheidung zur Durchführung einer prähospitalen Notfallnarkose muss sorgfältig getroffen und kritisch überprüft werden. Die Empfehlungen der DGAI zum prähospitalen Atemwegsmanagement sowie die S3-Leitlinie zur Behandlung von Polytrauma/Schwerverletzten sollten dazu entsprechend berücksichtigt werden.

Vor Beginn einer Notfallnarkose ist eine sorgfältige Abwägung von Risiken und Nutzen erforderlich, unter Berücksichtigung individueller Fähigkeiten des medizinischen Teams. Da die Teams sich in der Regel immer wieder neu zusammensetzen, ist es wichtig, dass klare Verfahrensweisen in Handlungsempfehlungen und lokalen Standard-Operation-Procedures (SOP) definiert sind.

Aufgrund der Risiken einer Notfallnarkose ist es essenziell, dass alle Teammitglieder mit dem Prozess der Notfallnarkose vertraut sind.


Die nachfolgende Übersicht bietet einen Überblick über die Indikationen für die prähospitale Notfallnarkose:

  • Bewusstlose Patientinnen und Patienten (GCS < 9) mit Aspirationsgefahr
  • Akute respiratorische Insuffizienz
  • Hypoxie und/oder Atemfrequenz < 6/min oder > 29/min mit Kontraindikation gegen eine nicht-invasive Beatmung (NIV) oder bei Versagen einer NIV

Polytrauma/schweres Trauma mit einer oder mehreren der folgenden Diagnosen:

  • Hämodynamische Instabilität, RR syst. < 90 mmHg
  • Apnoe oder Schnappatmung (Atemfrequenz < 6/min)
  • Hypoxie mit SpO2 < 90 % trotz O2-Gabe und Ausschluss eines Spannungspneumothorax
  • Schädel-Hirn-Trauma mit GCS < 9
  • Schweres Thoraxtrauma mit respiratorischer Insuffizienz (Atemfrequenz > 29/min)

Eine Ausnahme ergibt sich bei Patientinnen und Patienten, die sich unter kardiopulmonaler Reanimation befinden und zunächst eine Sicherung der Atemwege benötigen. Eine Notfallnarkose ist möglicherweise erst möglich, nachdem ein Spontankreislauf wiederhergestellt wurde.

Ziele der prähospitalen Notfallnarkose

Die Ziele der prähospitalen Notfallnarkose, die grundsätzlich nicht von den generellen Zielen einer Narkose abweichen, werden im Folgenden aufgeführt.

  • Schaffung einer Möglichkeit zur schnellen und effektiven Sicherung der Atemwege (Sicherung der Oxygenierung und Ventilation durch Beatmung sowie Aspirationsschutz durch endotracheale Intubation)
  • Protektion lebenswichtiger Organsysteme und Vermeidung sekundärer myokardialer und zerebraler Schäden
  • Schmerztherapie
  • Amnesie
  • Anxiolyse
  • Stressabschirmung

Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Notfallnarkose

Die erfolgreiche Ausführung hängt laut DGAI-Leitlinien von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen: 

  • Erfahrung, Ausbildung und Routine sowohl des gesamten Notfallteams als auch der einzelnen Teammitglieder
  • die Gegebenheitenam Einsatzort (z. B. Beleuchtung, Platzverhältnisse, Witterung)
  • die Transportzeit und -art (auf dem Boden oder per Luftrettung)
  • die Umstände bei der Atemwegssicherung (z. B. Komplikationen bei der Intubation)

All diese Aspekte müssen bei der Umsetzung einer Notfallnarkose berücksichtigt werden, um eine effektive und sichere Notfallversorgung zu gewährleisten. 

Die Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten des Fachpersonals ist dabei ebenso wichtig wie die individuelle Situation der Patientin bzw. des Patienten selbst. Die Durchführung einer Notfallnarkose ist risikobehaftet und erfordert eine hohe Qualität in der Durchführung und Überwachung sowie in der Behandlung von Komplikationen. 

Handlungsempfehlungen zur prähospitalen Notfallnarkose

Die folgende Handlungsempfehlung geht aus der S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) heraus und richtet sich an das gesamte Fachpersonal, das in der Notfallmedizin tätig ist. 

Sie umfasst Maßnahmen, die gemäß dem aktuellen Wissensstand die angemessene Durchführung einer Notfallnarkose bei vital gefährdeten Patientinnen und Patienten sicherstellen können. Dabei werden individuelle Faktoren wie Infrastruktur, örtliche Gegebenheiten, Patientenzustand sowie die Kenntnisse und Erfahrungen der Anwender:innen berücksichtigt.

Die nachfolgende Übersicht listet die zentralen Punkte dieser Handlungsempfehlung auf:

  • Kritische Überprüfung der Indikationsstellung unter Berücksichtigung von patienten-, einsatz- und anwenderbezogenen FaktorenRapid Sequence Induction (RSI), um Aspirationsrisiken zu minimieren
  • Präoxygenierung bei Spontanatmung für 3–4 Minuten mit 12–15 l Sauerstoff pro Minute
  • Standardisierte Vorbereitung von Narkose- und Notfallmedikamenten sowie Beatmungsgerät mit Zubehör, Sicherstellung alternativer Atemwegs- und Überwachungsinstrumente einschließlich Kapnographie (Empfehlung: Die maschinelle Beatmung ist der manuellen Beatmung per Beatmungsbeutel vorzuziehen)4
  • Standardmonitoring während der prähospitalen Notfallnarkose umfasst EKG, automatische Blutdruckmessung (NIBP) und pulsoxymetrische Sauerstoffsättigung (SpO2)
  • Kapnographie zur Überprüfung der Tubuslage, Detektion von Dislokationen und Diskonnektionen sowie zur indirekten Überwachung der Hämodynamik
  • Anlage von möglichst zwei peripheren Venenzugängen vor Einleitung der Narkose

Durchführung und Ablauf einer prähospitalen Notfallnarkose

Die Entscheidung zur Durchführung einer prähospitalen Notfallnarkose erfolgt erst nach einer gründlichen Risiko-Nutzen-Bewertung und unter Berücksichtigung der genannten Einflussfaktoren. Sobald die ärztliche Entscheidung zur Narkose getroffen wurde, muss diese dem Team mitgeteilt werden. 

Die standardisierte Durchführung und Ablauf einer prähospitalen Notfallnarkose umfasst nach den Handlungsempfehlungen der DGAI mehrere Schritte:

  1.  Kritische Prüfung der Indikation zur Durchführung der Notfallnarkose
  2.  Kommunikation der Indikation für die Notfallnarkose an alle Teammitglieder
  3.  Optimierung der Umgebungsbedingungen, wie beispielsweise die richtige Positionierung im  Rettungswagen und die Kopfposition der Patientin oder des Patienten
  4.  Sofortiger Beginn der Präoxygenierung bei Spontanatmung
  5.  Vorbereitung der Narkosemedikamente und des Equipments zur Atemwegssicherung
  6.  Monitoring durch Anlegen von EKG, SpO2 und automatischer Blutdruckmessung (NIBP) sowie  Bereithalten der Kapnographie
  7.  Sicherstellung von zwei periphervenösen Zugängen mit laufender Infusionslösung, falls möglich
  8.  Rapid Sequence Induction/Rapid Sequence Intubation (RSI): 

     - Ggf. Aufhebung der HWS-Immobilisation

     - Ansage der Narkosemedikamente mit Wirkstoff und Dosierung

     - Abwarten des Bewusstseinsverlusts und der Relaxanzienwirkung

     - Atemwegssicherung ohne Zwischenbeatmung und Tubuslagekontrolle

     - Kontrollierte Beatmung (Empfehlung: Die maschinelle Beatmung ist der manuellen Beatmung per  Beatmungsbeutel vorzuziehen)5

     - Ggf. manuelle Inline-Stabilisation beenden und die HWS-Immobilisationsschiene wieder anbringen

  9.  Kontinuierliches Monitoring inkl. kontinuierlicher Kapnographie und richtige Einstellung des  Beatmungsgerätes
  10.  Narkoseaufrechterhaltung und -überwachung
  11.  Erkennen und Behandeln von Vitalfunktionsstörungen, ggf. Management von Komplikationen

WEINMANN-Beatmungsgeräte für die erfolgreiche Notfallnarkose

WEINMANN-Beatmungsgeräte sind speziell für die Anwendung in der Notfallmedizin entwickelt worden. Unsere Produkte MEDUMAT Standard² und MEDUVENT Standard verfügen über modernste Funktionen, die eine zuverlässige Beatmung in jeder Notfallsituation sicherstellen. 

Mit speziellen Beatmungsformen für die Narkoseeinleitung wie dem RSI-Modus und dem manuellen Modus bieten sie optimale Unterstützung bei der Narkoseeinleitung. Trotz ihrer Leistungsfähigkeit überzeugen sie durch ihre leichte und kompakte Handhabung, was sie zu praktischen Begleitern am Unfallort, im Hubschrauber, während des Transports oder in der Katastrophenmedizin macht.

Dank des Nachtmodus und der Farbkodierung mit invertierten Farben sind sämtliche Vitalparameter auch bei Dunkelheit optimal ohne störende Blendeffekte ablesbar. Mit nur einem Tastendruck haben Sie schnell Zugriff auf die verschiedenen Modi und können diese flexibel der Situation anpassen. Ein professionellesAlarmsystem mit individuellen Einstellungsoptionen sorgt für maximale Sicherheit während der Behandlung.

MEDUMAT Standard²

Exklusiver RSI-Modus für die Narkoseeinleitung mit Funktionen wie: 

  • Präoxygenierung im Demand-Modus 
  • Manueller Modus zur Tubuslagekontrolle mit MEDUtrigger 
  • Kapnographie zur Überprüfung der CO₂-Werte und Tubuslagekontrolle 
  • Einfaches Umschalten in die kontinuierliche Beatmung 
  • Überwachung der Beatmungsparameter mittels Druck- und Flowmessung 

MEDUVENT Standard

Eines der weltweit kleinsten turbinenangetriebenen Beatmungsgeräte, das vielfältige Einsatzmöglichkeiten auch ohne externe Gasversorgung ermöglicht, ausgestattet mit Funktionen wie:

  • Manueller Modus zur Tubuslagekontrolle mit MEDUtrigger 
  • Einfaches Umschalten in die kontinuierliche Beatmung 
  • Überwachung der Beatmungsparameter mittels Druck- und Flowmessung